Lukas-Querpass 6

Fußball ist das Spiel der Kinder

"Endlich darf ich in einen Fußballverein!" Ein Glücksgefühl für den Knirps. Ein Traum wird wahr, "endlich Fußballspielen in richtigen Mannschaften - wie die Großen".
Doch häufig kehrt schon bald Ernüchterung ein. Rundenlaufen, - wie die Großen. Nur keine Fehler machen - Vorwürfe, weil ein Ball durch die kleinen Beine flutschte; Unzufriedenheit, weil der Ball frei vor dem Tor nicht ins Tor getreten wurde. Anweisungen - Forderungen - auf dem Platz und oft auch noch daheim! Nicht spielen und gewinnen wollen, sondern gewinnen müssen!
Weil wir Erwachsene es so wollen. Ängste vor dem Versagen und dem Unmut der Erwachsenen wird gesät, nicht die Freude am Spielen und Bewegen.
Das Fußballspiel der Kinder - ist es nicht längst zum Spiel der Erwachsenen entfremdet worden?
Die Akteure auf dem Feld werden bewegt und gelenkt, wie wir es sehen und wollen.
Wo bleibt der Gedanke kindgerechten Spielens und Trainierens?
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, weder von den körperlichen Verhältnissen und Voraussetzungen noch von
der geistigen und seelischen Entwicklung her!
Ärzte und Entwicklungs-Wissenschaftler weisen mit Nachdruck darauf hin. Und sie warnen vor den negativen Folgen für die menschliche und sportliche Entwicklung der Söhne vieler überehrgeiziger Eltern, der Spieler so mancher profilierungs-bedachter Trainer.
Fußball ist das Spiel der Kinder - nicht das der Erwachsenen!
Wenn Kinder spielen - auch wenn Kinder Fußball spielen, nach eigenen Regeln in eigenen Feldern und kleinen Gruppen, entwickeln sie Phantasie, Kreativität und Bewegungsfreude, aber auch Risikobereitschaft und nicht für diese Sportart wichtige soziale Eigenschaften und Fähigkeiten. Schlechte Voraussetzungen, wenn Eltern und Betreuer vom Spielfeldrand aus lautstark ihre Anweisungen geben, "vorsagen", was und wie es getan werden muss.
Nicht ohne Grund erinnern Sportwissenschaftler und Sportpsychologen an die oft übersehenen Werte des einstigen freien "Straßenfußballs".
Hier war kein Erwachsener, und dennoch oder gerade deshalb entwickelten sich Spielfreude und Spielverständnis ebenso vorteilhaft wie der geschickte Umgang mit dem Ball.
Kinder sind Auszubildende! Kein Lehrer würde von einem Schüler der Grundschule schon die Leistung eines Abiturienten erwarten. Welcher Lehrer verlangt von seinem Auszubildenden die Leistung eines Gesellen! Im Fußball scheint diese Grundregel nicht zu gelten. "Den muß man doch reintun", empört sich der engagierte Vater, als sein 12-jähriger Sohn das leere Tor verfehlt.
Und auch mancher Trainer zeigt wenig Geduld und Verständnis, wenn eine Übung nicht gleich klappt. "Konzentriert euch doch mal!"
Kinder verstehen Erwachsene wörtlich. Sie glauben, vor den Augen ihrer Bezugsperson versagt, sie enttäuscht zu haben. Zweifel verunsichern und bald wird aus dem ursprünglich voll Enthusiasmus und Tatendrang das Clubtrikot überstreifenden Nachwuchskicker ein zögerlicher, eingeschüchterter, ängstlicher Spieler - eifrig nur noch darauf bedacht, die Wünsche und Erwartungen des Trainers, des Vaters, der Mutter zu erfüllen.
Selbständigkeit wird unterdrückt, Einfallsreichtum verkümmert.
Eltern und Trainer wollen das Beste für ihre Söhne. Möglichst hoch hinaus. Vom Profikicker träumen die Eltern, mancher Trainer und Betreuer von jungen Talent als Garant für die eigene erfolgreiche Mannschaft.

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